Mittwoch, 21. Oktober 2015

Unsere kleine Farm

 
Als wir uns kurz vor Antritt unserer Reise von allen Freunden verabschiedet haben, haben wir nie daran gedacht. dass es ein Abschied für immer sein könnte. Doch leider haben wir einen von Ihnen an diesem Abend das letzte mal gesehen. Diese Nachricht, dass einer unserer Freunde bei einem Unfall ums Leben gekommen ist hat uns hier sehr schwer getroffen. Besonders weil wir aufgrund der Distanz nicht so mit Angehörigen und Freunden darüber reden konnten wie wir uns das gewünscht hätten. Wir wissen, dass wenn wir wieder nach Hause kommen werden dieses zu Hause nicht mehr so sein wird wie wir es verlassen haben. Und trotzdem hat uns dieser schreckliche Verlust aber auch eines ganz besonders gezeigt. Er hat uns begreifen lassen, dass unsere Entscheidung hier nach Neuseeland zu Reisen, unsere Stellen dafür aufzugeben und damit einen Traum für uns in Erfüllung gehen zu lassen, absolut die richtige war. Denn niemand weiß wie lang man noch die Zeit hat seine Träume zu erfüllen.
Wir wünschen auch nochmal auf diesem Wege Gesine, Gert und Patrick und auch all seinen Freunden unser tiefstes Beileid und viel Kraft. Wir denken viel an euch.
Du wirst uns fehlen Pierre...






Wo sind wir?
Wir sind wieder auf der Farm in Marton bei Andrew und Kylie. Wir hatten 12 Tage "Urlaub", aber wir nannten es eher Urlaub vom Urlaub, aber dazu gleich mehr.


Lisa bei unseren ersten Reitstunde. Als wir hier ankamen hatte sie noch Angst vor Pferden

Was machen wir?
Unsere Hostfamilie ist für 10 Tage in den Urlaub geflogen und wir kümmern uns in der Zeit um die Farm. Es gibt einige Tiere für die wir in der Zeit sorgen müssen. Da wären 8 Hunde, 4 Katzen, 1 Ziege, 2 Ponys, 4 Hühner, 4 Lämmchen und 1 Kälbchen die wir zu versorgen haben. Richard hat auch noch eine tolle Aufgabe bekommen in der er sich vollkommen austoben kann. Er baut eine Hundehütte, aber keine normale, sondern eine für 6 Hunde. Ich mach nebenbei etwas Gartenarbeit und bei dem tollen Frühlingswetter was wir momentan haben macht draußen arbeiten richtig Spaß.

Wie war eigentlich "The Mudder"- der schlammige Laufwettkampf?
Es war unglaublich geil bei so etwas tollen mitwirken zu dürfen. Die Tage vor dem Tag der Tage waren stressig und aufregend, aber es waren super Arbeitstage. Mit Keegan durften wir die Strecke abfahren und abstecken. Das war sehr lustig, weil wir ja selbst die ganzen Hindernisse gebaut haben und ab und an sehr schmutzig und nass dabei wurden. Am Tag vorher haben wir dann die Strecke getestet. Eine tolle Erfahrung. An dem Tag an dem das Event stattfand mussten wir sehr früh raus um noch letzte Vorbereitungen zu treffen. Als dann die Menschenmenge eintrudelte wurden wir als Streckenposten an einem der besten Streckenabschnitte eingeteilt. Da es etwas regnete hatten die Leute noch viel mehr mit dem Schlamm zu kämpfen als wir am Tag vorher. Leider hat sich ein Mitkämpfer das Bein an der von uns errichteten Schlammrutsche gebrochen. Wir wünschen ihm gute Besserung. Am Abend haben wir noch mit den Helfern den Erfolgreichen Tag gefeiert. Puh, die Neuseeländer können wirklich gut feiern. Danke für den tollen Tag!

Die Knochenbrecherschlammrutsche


Was haben wir in unserem "Urlaub" gemacht?
Zwischen The Mudder und dem Housesitting hatten wir ein bisschen Freizeit um die restliche Nordinsel zu erkunden.

2 Tage Wellington:
Los ging die Fahrt Richtung Wellington, die Hauptstadt Neuseelands. Wellington ist auch bekannt unter dem Namen Windy Welli und ja es macht seinen Namen alle Ehre. Einen ganzen Tag verbrachten wir im Nationalmuseum Te Papa. Das Museum ist total sehenswert und interessant und kostet nicht mal einen Cent Eintritt. Wir waren begeistert. Am nächsten Tag schlenderten wir durch die Stadt und fuhren mit dem Cable Car (Standseilbahn) und zurück Richtung Innenstadt ging es durch den Botanischen Garten, der wunderschön ist im Frühling. Außerdem waren wir im Filmarchiv, in dem man kostenlos den ganzen Tag in Neuseeland produzierte Filme und Kurzfilme anschauen kann. Es war schon komisch nach so langer Zeit auf dem Land mal wieder in einer Stadt zu sein, aber Wellington hat uns begeistert.

1 Tag Turakirae Head:
Nach einer Nacht auf einem einsamen Campingplatz mitten im Nirgendwo (was immer wieder toll ist), fuhren wir zur Seal Colony. Als wir losfuhren war ich der Meinung dass wir eh keine Seehunde sehen werden und stellte das die ganze weite Fahrt wirklich in Frage. Angekommen am Meer liefen wir am Strand entlang Richtung Colony. Erschrocken blieb ich stehen da vor mir auf einmal ein dicker fetter Seehund lag. Er ist uns erst gar nicht aufgefallen da so viel Holz und Meerespflanzen am Strand lagen. Ich war so begeistert und konnte gar nicht glauben dass ich wirklich gerade einen Seehund in freier Wildbahn gesehen habe. Nach einer einstündigen Wanderung erreichten wir dann die Colony. Erst konnten wir überhaupt keine Tiere entdecken, sondern nur Felsen und Meer. Also kraxelten wir über die Felsen und machten uns auf die Suche. Nach kurzer Zeit entdeckte Richard mehre Seehunde die es sich auf den Felsen gemütlich gemacht haben. Hat man erstmal einen entdeckt sieht man auf einmal ganz viele um sich herum. Es war so beeindruckend die Tiere zu beobachten und bei manchen konnte man sich richtig nah heran trauen. Wir hatten aber echt großen Respekt, da es sich immernoch um wilde Tiere handelt. Wir waren echt so glücklich sowas sehen zu dürfen.

Turakirae Head Seal

2 Tage Masterton:
Nach unserer Seal Entdeckungstour ging es nach Masterton und zwar aus dem Grund dass wir von dort eine mehrtägige Wanderung starten wollten, aber noch auf besseres Wetter warten mussten. Zwei Nächte verbrachten wir auf einem Supertollen Campingplatz mit einer Besitzerin die nach eigener Aussage ein Herz für Deutsche hat. An einem Montag hatten wir dann beste Wetteraussichten.

3 Tages Wanderung Mt. Holdsworth- Jumbo Circuit (24 km):
Nachdem wir unsere Hüttentickets gekauft hatten ging es Richtung Tararua Range zum Startpunkt unserer Wanderung. Durch einen wunderbaren Wald ging es nur bergauf, aber wir waren trotzdem ziemlich fix unterwegs. Nach einer Pause in einer kleinen Hütte ging es dann den Rest des Weges noch steiler Bergauf bis über die Baumgrenze wo unsere Berghütte stand in der wir die Nacht verbrachten. Mit 2 Neuseeländischen Mädel´s saßen wir am Feuer und genossen die herrliche Aussicht. Die Nacht war leider Arschkalt und richtig schlafen konnten wir nicht, aber egal, das Zähneputzen draußen im Sonnenaufgang hat alles wieder gut gemacht. Am Tag zwei ging es dann zur eigentlichen Gipfelbesteigung. Als es immer weiter höher ging kamen wir immer mehr in den Schnee hinein. Teilweise mussten wir an manchen Felsen sogar unsere Kletterkünste unter beweis stellen. Wir hatten erst klares sonniges Wetter, aber wie das in den bergen ist, kann es sich jede Sekunde ändern und so war es auch. Kurz vor dem Gipfel des Mount Holdsworth (1470m) kamen wir in eine Wolkendecke hinein. Es war gleichzeitig beeindruckend, aber auch leicht beängstigend, wenn man nur noch Schnee und Wolken sieht. Am Gipfel hatten wir deshalb nicht wirklich eine Aussicht, aber es fühlte sich trotzdem großartig an soweit und so hoch mit seinen eigenen Füßen gekommen zu sein. Vor allem war es für mich so krass, da ich nie gedacht hätte mal so etwas zu machen bzw. zu schaffen. Am Anfang der Neuseelandreise war ich noch so unfit und jede Wanderung war ein bisschen eine Qual und dann stand ich auf diesem Berge und dachte: ,,Ja, ich hab´s geschafft und es hat einfach riesen Spaß gemacht." Richard der ja eh Berge über alles liebt, war auch ganz aus dem Häuschen, als er das Gipfelkreuz sah stürmte er nur drauf zu und merkte gar nicht dass ich stehen geblieben bin um ihn zu fotografieren. Vom Holdsworth aus ging es über den Bergkamm zum nächsten Berg namens Jumbo. Das Wetter blieb weiterhin wolkig, aber die Stimmung war super. Am Jumbo angekommen, haben wir uns wieder total gefreut auf dem nächsten Gipfel zu stehen. Vom Gipfel eine halbe Stunde Talwärts war die Jumbohut in der wir die zweite Nacht verbrachten. Die Mädels waren auch wieder da und wir spielten Karten bis wir abends todmüde ins Bett fielen. In der Nacht schliefen wir aber oben unter dem Dach, da wir nicht wieder erfrieren wollten. Es war sogar etwas zu warm in dieser Nacht, aber das ist allemal besser als frieren. Am dritten und letzten Tag liefen wir wieder Richtung Tal. Der Weg verlief so steil über Wurzeln, bergab durch den Wald, dass wir heilfroh waren wieder im Tal zu sein. Dort machten wir eine Mittagspause und liefen dann nochmal 3 Stunden an einem glasklaren Fluss entlang bis wir zu einer mir nicht geheueren Hängebrücke kamen. Richard musste vorraus gehen und ich musste erst paar mal durchatmen, da die Brücke sehr hoch, sehr schmal, und sehr wackelig war. Da alle Angst nichts nützte bin ich dann schreiend über dieses Horrording gelaufen. Sehr peinlich war mir das ganze dann auch noch, weil am anderen Ende unbemerkt eine Familie auf ihre Überquerung wartete. Fix und fertig, aber glücklich erreichten wir dann unser Auto.

Die Powel Hut bei Abenddämmerung wär auch nen guter Platz für ein Eigenheim

Gut gemacht Richard
 

Kurz nach Aufbruch am Tag 2 hier war das Wetter noch gut

Mein erster 1470er zum Greifen nahe

Kurz nachdem wir uns die Sauerstoffgeräte aus dem Gesicht gerissen haben, wurde das erste Gipfelselfie gemacht

gemütliche Jumbohut

unsere Aussicht am Morgen des Tag 3

Jumbohut, wer genau hinschaut kann das Meer sehen


1 Tag Masterton:
Nach dieser Wanderung gönnten wir uns dann noch ein dickes Softeis und einen Restday in Masterton. Auf unserer Reise weiter machten wir einen kurzen Stopp an der längsten Hängebrücke Neuseelands. Da ich die letzte Hängebrücke überquert habe, wollte ich auch das schaffen. Es waren die längsten 80 Meter meines Lebens und dann musste ich ja wieder zurück. Naja, ich hab´s überlebt und Richard, der fands toll und ist gleich mehrmals hin und her gelaufen.

längste aber nicht die wacklichste Hängebrücke Neuseelands


2 Tage Cape Palliser:
Da wir nicht so richtig wussten was wir rund um Masterton noch so machen können haben wir uns dazu entschlossen nochmal zurück in den Süden zu fahren und zwar zum südlichsten Punkt der Nordinsel, das Cape Palliser. Der Weg zum Cape hat uns wieder einmal die Sprache verschlagen, da er direkt am rauen Meer entlangführte und wir Wellen gesehen haben die mehr als nur riesen groß waren. Da wir so begeistert waren von den Seehunden machten uns auch dort auf die Suche und konnten glücklicher Weise sogar richtig knuffige Babyseehunde bestaunen. Eine tolle Aussicht hatten wir am Fuße des Leuchtturms zu dem man 254 Stufen hinaufsteigen muss. Die Nacht verbrachten wir am Campingplatz in der Nähe und machten uns dann am nächsten Morgen auf zu den Putangirua Pinnacles. Zu sehen gab es eine außergewöhnliche Felsformation. Beeindruckt waren wir nicht wirklich, aber dieser Ort ist auch eher was für Herr der Ringe Fans, da dies auch ein Drehort war. Wir haben ja beschämender Weise die Filme nicht angeschaut bevor wir hier her geflogen sind, also nützen uns die ganzen Drehorte auch recht wenig.

Wer ist ein braver Seehund? Jaa du bist einer

 

 

Nach 5 Monaten gemeinsamen Reisen, wir haben uns noch lieb

Baabbyyy

Leuchtturm

Hohe Wellen am Kap Palliser


1 Tag Dannevirke:
Vom Cape reisten wir ewig lange nach Dannevirke, einer süßen dänisch angehauchten Stadt. Hier waren wir aber nur, weil wir am Tag darauf wieder eine Wanderung starten wollten.

2 Tage Sunrise Track:
Mehrmals hatten wir uns verfahren bis wir über sämtliche Felder zur Ruahine Range gelangten. Der Sunrise Track ist ein sehr beliebter Wanderweg, da er gut ausgebaut ist und auch für Kinder gut zu bewältigen ist. Da die Holdsworth Wanderung noch nicht so lange her war, war diese Wanderung eher etwas einschläfernd, da der Weg immer gleich aussah und sich kaum etwas veränderte. Jedoch waren wir froh als wir die wunderschöne Sunrise Hut endlich erblickten. Eine echt überdurchschnittlich gut ausgebaute Hütte. Diesmal waren noch 7 andere Leute mit uns auf dem Berg. Da oben gab es dann auch wieder atemberaubende Ausblicke. Netterweise hat einer der Leute nachts noch das Feuer warm gehalten und so hatten wir wieder eine warme Nacht. Jedoch ist es über Nacht so windig geworden, dass ich dachte die Hütte reißt es ab. Morgens kurz nach 6 sind wir dann alle aufgestanden um den Sonnenaufgang zu sehen. Ja, das war es sowas von Wert. So einen geilen Sonnenaufgang hab ich noch nie gesehen. Leider konnten wir das fotografisch nicht so gut festhalten wie es in Wirklichkeit war, aber das ist egal, wir haben´s erlebt und die Erinnerung bleibt auch in unseren Köpfen.

Armstrongsaddle

Sonnenaufgang auf der Sunrisehut
Blick nach Osten
Guter Ort für nen Kaffee

Gemeinschaftliches Sonnenaufgang gucken 


Wie geht es weiter?
Keine Ahnung! Wir wissen es selbst nur grob, bis gar nicht.

Eine Sache noch.
Letzte Woche haben wir unser erstes Erdbeben erlebt, Stärke 5,8. Das war angsteinflößend.

Bis Bald ihr Lieben



 

 
 

 
 












Samstag, 29. August 2015

They say something good always comes from something bad...

Wo sind wir?
Momentan befinden wir uns schon seit ein paar Wochen in Marton. Das kleine Städtchen mit etwas weniger als 5000 Einwohner liegt etwa ein halbe Stunde von Wanganui entfernt. Auf unserer Suche nach dem nächsten Wwoofing sind wir auf eine junge Familie gestoßen. Kylie, Andrew und ihre 2 kleinen Töchter besitzen eine Schafs- und Rinderfarm etwas außerhalb von Marton. Außerdem gibt es hier ein Farmstay. Farmstay bedeutet dass Touristen sich die Farmarbeiten wie z.B. Schafe scheren und Schafe treiben gegen Bezahlung anschauen dürfen und auch in einer wunderschön gestalteten Unterkunft schlafen können.

Wie leben wir?
Etwa 1 Kilometer vom Haus der Familie entfernt leben wir mit dem 20 Jährigen Schäfer Keegan in einem kleinen Häuschen. Collin, ein sehr herzlicher und liebevoller Mensch und Farmarbeiter wohnt auch 3 Tage die Woche in unserer Wohngemeinschaft. Anfangs war es etwas seltsam für uns nicht im Haus der Familie zu leben, doch alles hat vor und Nachteile. So wie wir jetzt leben können wir Nachmittags unser eigenes Ding machen und gehen auch niemand auf die Nerven. Der Nachteil an der Sache ist, wir müssen uns immer unser Essen aus dem Haupthaus abholen, da ja Essen unsere Bezahlung ist. Mit der Essenssituation haben wir uns aber sehr gut arrangiert.
Apropos Essen: jaaaa man vermisst wirklich das verdammt geile Brot aus der Heimat. Was würden wir nicht dafür tun jetzt ein leckeres Hackepeter Brot zu essen...In Neuseeland werden wir noch zu absoluten Süßigkeiten Junkies, denn hier gibt´s einfach so abartig leckeres Süßzeug, aber zurück zum Thema....

Was tun wir hier?
Im Juni diesen Jahres gab es eine große Flut im Wanganui Bezirk. Viele Menschen haben dabei ihre Häuser verloren, oder haben riesige Flutschäden. Kylie und Andrew haben auch mit den Konsequenzen der Flut zu kämpfen. Hier auf der Farm gab es durch den Regen mehrere Erdrutsche. Da hier alles bergig ist konnten die Erdmassen dem Regen nicht mehr standhalten und sind lawinenartig ins Tal gestürzt. Dabei wurden viele Zäune und Wege zerstört und Schafe getötet. Die zerstörten Zäune müssen nun abgebaut werden, soweit sie nicht unter Schlammmaßen begraben sind und an anderer Stelle müssen neue Zäune errichtet werden. Unsere Aufgaben sind hier die Zäune abzubauen, was sehr mühevolle Arbeit ist, da die Zäune am steilen Hang sind und alles was man abgebaut hat muss man an eine für ein Fahrzeug erreichbare Stelle tragen. Richard liebt diesen Knochenjob:)
Außerdem haben wir den offenen Stall gereinigt, da sich in diesem bald mehr als 600 Leute befinden, da am 19. September hier "The Mudder" stattfindet. Dies ist ein Laufwettkampf indem die Leute unter anderem Schlammlöcher bezwingen müssen. Darüber kommt dann aber mehr wenn´s soweit ist. Andere Aufgaben sind Gartenarbeit und im Haushalt helfen. Einen harten Tag haben wir auch mit Opa Hugh verbracht. Ich wurde mit einem 10 Liter Chemikalienkanister auf dem Rücken bepackt und Richard bekam einen Slasher, das ist so eine Art Axt. Dann gings mit Hugh ab auf die Weide und der Kampf gegen die Gorse (großes stachliges Buschgewächs) begann. Richard hatte nach kurzer Zeit blutige Hände, da er mit dem Slasher voller Inbrunst die Gorse am Stamm abschlagen sollte und ich kraxelte mit meinem oberschweren 10 Liter Rucksack die Berge hinauf um die Gorse mit Chemikalien zu besprühen. Wir waren fix und fertig, aber Opa Hugh war zufrieden und klopfte uns auf die Schultern. An diesem Tag hantierten nicht nur wir mit Chemikalien, denn es ging auch eine Nummer größer. Auf einer Wiese neben dem Stall landete ein Hubschrauber, dieser flog den ganzen Tag über die riesige Farm und sprühte Chemikalien die Disteln töten soll und das Gras wachsen lassen soll. Da wir ja auch auf der Farm beschäftigt waren bekamen wir auch ein paar Ladungen Chemieregen zu spüren, aber wir waren echt beeindruckt von den Flugkünsten des Hubschrauberpiloten.
Zu unseren Aufgaben gehört auch lustiger weise das Befreien von festgefahrenen Fahrzeugen. Klingt doof, ist aber so:) An einem Tag war der erste Job das Quad aus einem riesigen Schlammfeld zu befreien. Keegan bediente die an einem Baum befestigte Winde, Richard schob mit der Brechstange und ich saß auf dem Quad und gab Vollgas. Wir dachten das klappt nie, da das Quad so tief im Schlamm steckte, aber ja wir habens geschafft. Danach hatten wir 3 aber erstmal einen heftigen Lachanfall, da ich versuchte die Schaufel aus dem Schlammfeld zu holen und dabei selbst bis zu meinen Knien im Schlamm versank. Richard kam und wollte mich herausziehen, doch mein Gummistiefel blieb stecken und ich stand mit meinen Socken im Schlamm. Keegan konnte uns vor lauter lachen erst gar nicht helfen, aber irgendwie haben wir es dann geschafft uns zu befreien. Die ganze Aktion widerholte sich am Nachmittag nochmal und da musste mich dann unser Chef Andrew aus dem Schlamm ziehen und er konnte sich es nicht verkneifen ein paar lustige Fotos von der Aktion zu schießen. Naja auf jeden Fall haben wir Spaß bei der Arbeit.
Kylie ist ein upcycling Fan, das bedeutet sie versucht aus Dingen die andere vielleicht wegwerfen würden noch etwas schönes oder sinnvolles daraus zu machen. Der Draht von den zerstörten Zäunen ist eigentlich Müll und nicht wieder verwendbar. Sie fragte uns dann ob wir nicht Lust hätten es mal zu versuchen eine große Kugel aus den Drähten zu bauen, um sie dann als eine Art "Flutdenkmal" in den Garten zu stellen. Auf einer Internetseite zeigte sie uns dann was sie gerne hätte und wir waren erstmal erstaunt wie teuer so etwas ist wenn man es kauft, aber wir dachten uns: ,,Pffff, sowas können wir mit links." So haben uns die alten Drähte geschnappt und losgelegt und jaaaa es funktionierte so wie wir uns das vorgestellt haben. Richtig stolz präsentierten wir nach kurzer Zeit unsere in mühevoller Handarbeit hergestellte Drahtkugel. Kylie fand das so toll, dass wir gleich noch eine zweite, noch größere Kugel herstellen sollten. Gesagt, getan! Die kleinere Kugel ist ca. 80 cm hoch und steht jetzt im Garten und die zweite Kugel ist 1 m und ist wunderbar von der Küche aus sichtbar. Es hat sehr Spaß gemacht sowas verrücktes zu bauen und dann steht da noch eine Message dahinter. Außerdem freuen wir uns dass wir etwas in Neuseeland hinterlassen konnten und dass die Familie vielleicht ab und an an uns denkt wenn sie die Kugeln betrachten.

Wie geht´s jetzt weiter?
Wir bleiben hier auf jeden Fall noch bis zum 19. September, da wir bei "The Mudder" mithelfen werden. Danach wollen wir uns Richtung Wellington bewegen, was ganz im Süden der Nordinsel liegt. Ja und danach geht´s dann auf die Südinsel. Genaue Pläne haben wir aber noch nicht.

Was gibt´s sonst zu wissen?
Es gibt endlich ein Lebenszeichen von meinem Handy. Nachdem mein Handy vor vielen Wochen kaputt gegangen ist und ich von dem Shop der es reparieren wollte ewig nichts gehört habe, dachte ich schon ich kann mir bald ein neues kaufen. Leider ist der Shop in Gisborne, was über 5 Stunden entfernt liegt und so hatte ich auch keine Chance mal vorbei zu gehen. Jetzt endlich kam die Nachricht dass es repariert ist und es ist gar nicht so teuer wie erwartet. Juhu:) jetzt muss ich nur noch warten bis es hergeschickt wird.
Letztes Wochenende waren wir am Rangitikei  River kurz vor dem Ort Taihape. Eigentlich wollten wir uns einen der Schauplätze von Herr der Ringe angucken, doch auf dem Weg dahin gab´s was viel besseres und zwar eine Brücke von der man sich stürzen kann. Wir waren beeindruckt von der Wahnsinns Kulisse. Richard dachte sich:,, Wenn wir schon mal hier sind.... dann will ich da auch runterspringen!" Er entschied sich für den Bridge Swing. Dabei ist das Seil nicht an den Beinen wie beim Bungeesprung, sondern du sitzt nach dem Fall im Gurt und schwingst an der Brücke. Richard fand das so toll und die Veranstalter auch, dass er paar Minuten nach seinem ersten Sprung einen zweiten machen konnte. Ein zweiter Sprung allein, war aber viel zu langweilig, denn es gab auch einige Zuschauer und denen muss man ja was bieten. Die Veranstalter meinten er sollte das ganze nochmal Upsidedown machen, das bedeutet Kopfüber. Die Frau neben mir hat noch mehr mitgefiebert als ich, sie meinte nur dass sie noch nie jemanden gesehen hat der sowas gestörtes gemacht hat :) Ich bin jetzt echt neidisch und will auf jeden fall auch mal so etwas cooles hier in Neuseeland machen.
Richard wollte schon die ganze Zeit nachdem er die schneebedeckten Berge gesehen hat Snowboard fahren gehen und hat es jetzt auch endlich geschafft. Mit Keegan ist er Morgens halb 7 ins Skigebiet gefahren und dort verbrachten sie einen Tag im Schnee.

Bis Bald ihr Lieben



Einer unserer Arbeitsplätze
 
 
Beim Draht aufrollen rasten wir beide auch ab und zu mal aus...hier klappt es gerade mal:)
 

Nein, ich benötige hier kein Fitnessstudio
 

 

 
 Unsere erste Drahtkreation in Gedenken an die Flut im Juni
 
 


Modell Nummer 2 hat auch ihren Platz gefunden
 

 Unser Häuschen
 
 
Keegan und Collin kümmern sich um ihr Abendessen
 
 
,,Nein du bist zu schmutzig für Streicheleinheiten"
 

 
 So sieht es nach der Arbeit aus
 

"Ich will da jetzt runterspringen!"
 


"Okay dann spring halt!"
 

weil es so schön war nochmal und das kopfüber
 
 
wunderschöner Ausblick von der Brücke
 
 
Da hat sich der Richard auch gefreut
 
 
Ausflug ins Skigebiet
 
 
 Mount Ruapehu
 
 

Richards funny day in the snow
 
 


Sonntag, 23. August 2015

Ziegen, Vulkane und atemberaubende Natur

Bye Bye Gisborne....Hello Mahia Beach...Mahia Beach liegt auf einer kleinen Halbinsel und da durften wir ein Wochenende mit Jane und Warwick verbringen. Das gemütliche Ferienhaus liegt nur ca. 50 Meter vom Strand entfernt und hat dementsprechend einen herrlichen Ausblick. Das Wetter war auch fantastisch, so dass wir sogar ein Nickerchen draußen in der Sonne genießen konnten, und das im Winter. Irgendwann mussten wir aber auch schweren Herzens Tschüss sagen, denn ihr wisst, alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei (Richard lacht gerade über den dämlichen Satz, aber er soll bleiben, meint er). Sooo, ab ins Auto und weiter ging´s. Erste Destination war Napier, da dies auf dem Weg lag und wir eh eine Kaffeepause einlegen wollten. Napier wirkt wie eine Filmkulisse, richtig schnucklig, aber für neuseeländische Verhältnisse sehr belebt. In einem Straßencafé gab es lecker Cheesecake und Kaffee, sündhaft teuer, aber lecker. Danach fuhren wir nach Taupo. Ich hab wie immer auf der Fahrt geschlafen, weil die Straßen hier niemals endende Kurven sind und das vertrag ich überhaupt nicht. Also war ich sehr froh als ich endlich den riesen Lake Taupo vor mir sehen konnte. Von der Stadt Taupo haben wir eigentlich nichts gesehen außer unseren Campingplatz.
Danach verbrachten wir eine Woche in Matamata. Das kleine Örtchen ist eine Touristenhochburg, da sich hier Hobbiton befindet, einer der Drehorte für die Herr der Ringe- und Hobbitfilme. Wir haben uns das Spektakel aber nicht angeschaut, da dies unverschämt teuer ist und auf der Südinsel gibt´s viele Drehspots die nichts kosten. In Matamata haben wir auf einer Ziegenfarm (Milchfarm) geholfen. Momentan ist gerade Babysaison. Keine Ahnung wie das richtig heißt, aber alle Schafe, Ziegen und Kühe in Neuseeland bekommen momentan ihre Babys. Deshalb hatten wir auch auf der Farm mit vielen hunderten Babyziegen zu kämpfen. Jeder denkt: ,,Ohhh Babyziegen sind sooo süß." NEIN! Sie sind grausam. Sie kommen in Massen auf einen zugestürmt und knabbern und springen und saugen an einem herum. Sie lieben es einen zur Weißglut zu bringen und genau das Gegenteil zu tun von dem was sie eigentlich tun sollten. Einer unserer Aufgaben war es die abgemagerten Babyziegen zu finden und diese zu füttern. Das bedeutet: Ziege zwischen die Beine klemmen, am Finger saugen lassen und den Kopf zum Saugnapf vom Milcheimer zu führen und hoffen dass sie saugt. Hat man es geschafft eine Ziege zum trinken zu motivieren sind die anderen aber neidisch und wollen auch an genau dem Sauger trinken....Nein sie wollen nicht einen von den 20 freien Saugern...Nein sie wollen DEN wo die eine bedürftige Ziege trinkt! Nerven behalten war dann unser Motto. Im großen und ganzen hatten wir aber echt tolle und abwechslungsreiche Arbeit auf der Farm. Richard hat vorwiegend verschiedene Wartungsarbeiten erledigt und die Milch für die Babys aufgefüllt. Ich hab die Lely (Fütterungssystem) gereinigt, Heu aufgefüllt, kranke Ziegen versorgt und gefüttert. Außerdem haben wir Gartenarbeit verrichtet, wie z.B. Bäume beschneiden und Unkraut jäten. Der Grund weshalb wir jedoch nur eine Woche da geblieben sind, war das Zimmer in dem wir schlafen mussten. Ein winziges Räumchen unter dem Dach, mit einer Matratze am Boden und einem kleinen Schränkchen was wir nicht benutzen konnten da es zu schmutzig war. Den Raum teilten wir uns mit vielen Käfern und jaaa das war etwas Grenzwertig für uns. Wir sind ja nicht etepetete, aber das war zu viel des Guten. An unserem vorletzten Tag dürften wir uns die Fahrräder und das Auto unserer Hosts ausleihen, da Richard, so voller Tatendrang wie er ist, alle Fahrräder der Familie repariert hat. Wir hatten einen schönen, etwas regnerischen Fahrradausflug von Paeroa nach Waikino und zurück. Das spannende an diesem Fahrradweg war der 2 km lange Eisenbahntunnel, in dem es stockfinster ist.
Nach unserem Ausflug haben wir uns dann mit 3 netten deutschen Mädels das Rugbyspiel zwischen Neuseeland und Australien in einem Pub angeschaut. Für Neuseeländer ist Rugby wie für Deutsche Fußball. Irgendwie wird man dann auch von diesem Rugbyfieber angesteckt und wir schauen mittlerweile auch jedes All Blacks (Neuseeländische Nationalmannschaft) Spiel.
Von Matamata fuhren wir dann Richtung Süden und machten einen Stopp an einem wunderschönen Wanderweg, der Ruakuri Bush Walk. Für den Wanderweg benötigt man zwar nur 45 Minuten, aber er ist einer der schönsten Wege die ich je gesehen habe. Rechts und links vom Weg gibt's teilweise undurchdringliche Gewächse, vorbei an einem Fluss hat man dann einen kleinen Aufstieg und danach muss man mehrere kleine Natursteintunnel durchqueren. Irgendwann steht man vor einer Treppe, die in eine dunkle Höhle führt. Drin angekommen steht man in einer gigantischen riesen Höhle durch die sich kurvenförmig ein Fluss schlängelt. Einfach Wahnsinn was die Natur da angestellt hat.
Nach der kleinen aber feinen Wanderung fuhren wir nach New Plymouth. Am Horizont erblickten wir den Mount Taranaki, ein 2518 Meter hoher schneebedeckter Vulkan. Wunderschöner Anblick, aber leider versteckt er sich meistens hinter einer Wolkendecke. Eine Nacht verbrachten wir in New Plymouth und am nächsten Tag versuchten wir eine Wanderung in Mt. Taranaki Nähe zu unternehmen, leider lag der Schnee etwas zu hoch und wir wollten kein Risiko eingehen. Danach hatten wir eine lange fahrt nach Wanganui, um dort in der Nähe unser nächstes Wwoofing zu starten, aber dazu sehr bald mehr.



Mahia Beach

Ferienhaus von Jane und Warwick

Lulu unser Liebling
 
Huka Falls...ja Wasserfälle gibt's in Neuseeland ohne Ende

 

Arbeitsoutfit
 
Geduld ist eine Tugend
 
Richard ist sehr beliebt im Stall

,,Sind da Spinnen Richard???"

wunderbare Natur

die gigantische Höhle

 

 undurchdringlicher Wald

 

Mount Taranaki aus der Ferne